Das Gute Auge

Das Gute Auge – eine Art zu leben.

Die Natur ist innen.“ (Cézanne)

Oft sagt man, wenn jemand ausdrucksstarke, gelungene Fotos macht, dass er/sie ein „gutes Auge“ habe. Hier jedoch geht es um den inneren Aspekt des Sehens, weniger um foto-grafisches oder foto-technisches Gelingen. Das Gute Auge (aus dem tibetischen „Miksang“) ist Ausdruck einer achtsamen, urteilsfreien Haltung im Umgang mit der eigenen Erfahrung, mit anderen Menschen und der Welt. Indem ich den Zusammenhang erkunde zwischen dem, was ich sehe und dem was ich bin, verbinde ich die künstlerische Praxis mit der Praxis der Selbsterforschung.

Meine Aufmerksamkeit gilt den kleinen Welten, Randerscheinungen und Zwischenräumen in meiner alltäglichen und natürlichen Umgebung, und so dringe ich tiefer in das Wesen vor. Wichtiger als eine bestimmte Motivwahl ist für mich eine Haltung offenen Gewahrseins im Umgang mit der Welt und meiner eigenen Erfahrung. Es ist oft eher ein Spüren als ein Sehen, eher ein Finden als ein Suchen. Wie mit einem 4blättrigen Kleeblatt: Man findet es nur wenn man es nicht sucht.

In der lebendigen, direkten Verbindung mit dem Außen und Innen bin ich nicht der Beobachter mit der Kamera, sondern habe teil am schöpferischen Geschehen. Ich entwickle ein Gespür für die Intensität und Schönheit, die die Welt von innen her durchstrahlen. Entscheidend ist, in Beziehung zu treten mit dem Geschehen um mich herum und in mir; berührbar zu sein für diesen Prozess gegenseitiger Veränderung, anstatt die Dinge nur zu beobachten, zu bewerten und zu analysieren. „Man suche nur nicht hinter den Phänomenen,“ sagt Goethe, „sie selbst sind die Lehre.“

Entgegen der weitverbreiteten Fakten- und Wissenschaftsgläubigkeit, die in allem, was ist, das eigene Konzept zu bestätigen oder irgendwelche Ordnungsprinzipien ausfindig zu machen sucht, erkennt die Kunst die fundamentale Realität der schöpferischen Wildheit, der unkontrollierbaren Lebendigkeit an. Lebendige Kunst ist daher kein Abbild der Natur, sondern wirkt als Natur. Als Instrument des Wilden wohnt der Kunst eine verwandelnde Kraft inne.

Der Weg des Guten Auges hat mir in vielfältiger Weise die Augen geöffnet. Ich habe wieder zu staunen gelernt, mit Neugier durch den Tag zu gehen und eine Begeisterung zu spüren, die mehr ist als Fotospass. Freude ist ein Aspekt unseres Wesens, und aus dieser Quelle und Inspiration liebe und lebe ich meine Kunst.

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